Der Wald im Parc Adula

Der Wald im Parc Adula

Das Studiengebiet des Projekts Parc Adula wird von einer grossen Vielfalt an Waldhabitaten gekennzeichnet. Diese Vielfalt ist durch die grossen Unterschiede der ökologischen Verhältnisse und die verschiedenen Waldbewirtschaftungsformen bedingt. Der Wald, der heute ca. 50% des gesamten Gebiets ausmacht, entwickelt sich auf allen Höhenlagen, von der Hügelzone bis zu den subalpinen Lagen, auf saurem und kalkigem Boden und in vier verschiedenen Umweltregionen und wird in unterschiedlichem Mass vom insubrischen, Kontinental- und Meeresklima beeinflusst.

Unter den vielen besonders wertvollen Objekten zählt das Gebiet, längs dem Fluss Brenno, zu den schönsten und am besten erhaltenen Beispielen für submontane Auenvegetation des Tessins, den Wald der Lsgiüna mit seinen einzigartigen Naturwerten, die „Selva Secca“ von Acquacalda mit ihren wertvollen Zirbelkiefern und mit seinen vielen sehr naturnahem Waldökosystemen.

Wie in der übrigen Schweiz ist auch der Wald des Gebiets des Projekts Parc Adula stark durch menschliche Aktivitäten stark beeinflusst worden. Bis zu vor annähernd hundert Jahren waren die Täler beinahe kahl wegen der Rodungen und seiner intensiven Nutzung der vergangenen Jahrhunderte, als die Bevölkerung aus Wald und Holz einen wesentlichen Nutzen für ihre Existenz zog. Da sich die Bevölkerung der Bedeutung des Waldes für die Regulierung des Wasserkreislaufes bewusst wurde und wegen der Veränderung der ökonomischen Lebensbedingungen, nahm die Nutzung des Waldes stark ab, und der Wald konnte sich wieder regenerieren, indem er sich auch auf Alpen, Maiensässe und bewirtschaftete Terrassen ausdehnte, die von der Bevölkerung zuvor während Jahrhunderten mit peinlicher Sorgfalt erhalten worden waren.

In einem Berggebiet mit ausgeprägter menschlichen Präsenz übt der Wald eine wichtige Schutzfunktion vor Naturgefahren wie Steinschlägen, Lawinen, Schuttablagerungen und Oberflächenrutschen aus. In weitestem Sinne trägt der Wald dazu bei, den Wasserfluss zu regulieren, indem er als Puffer im Falle starker Niederschläge wirkt und die oberflächlichen Abflüsse einschränkt. Neben der Schutzfunktion dient der Wald der Holzproduktion, aber auch als Ort für die Freizeitbeschäftigung und fördert der biologischen Vielfalt. Dank einer modernen Konzeption der Waldbewirtschaftung können all diese Funktionen nebeneinander im selben Gebiet stattfinden.

Die Bedingungen der Bewirtschaftung, vor allem die Strassenverbindungen, sind sehr heterogen. Neben gut erschlossenen und leicht zugänglichen Habitate weist das Gebiet weite Teile ohne Strassen auf, die somit überhaupt nicht aktiv bewirtschaftet werden können. In diesen Teilgebieten schreitet die natürliche Entwicklung seit Jahrzehnten ungestört fort und ist eine hervorragender Weise für die Schaffung integraler Waldreserven geeignet.

Dank einer wieder erwachten Interesse an der Nutzung des Waldes und der Förderung der Biodiversität der Waldhabitate sind mehrere Projekte entstanden, deren Ziel es ist, alte Formen der Agrar- und Waldbewirtschaftung, wie Kastanien- und beweidete Lärchenwälder, wieder aufzunehmen. In den letzten Jahren haben auch die Verwendung des Holzes als Energie- und Bauressource die Pflege der Schutzwälder wieder zugenommen.